Zöliakie – was ist das eigentlich?
Zöliakie ist eine lebenslange, chronisch entzündliche Darmerkrankung, die durch den Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel, bei Personen mit einer Prädisposition, also einer Veranlagung dafür, ausgelöst wird. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die stark von einer Allergie abzugrenzen ist. Es handelt sich zwar primär um eine Darmerkrankung, im Grunde ist allerdings der ganze Organismus betroffen, wodurch auch von einer systemischen Erkrankung gesprochen wird.
Gluten ist ein Eiweiß, das in Getreide enthalten ist, wie beispielsweise in Weizen, Gerste, Roggen und Dinkel. Es ist für die gewünschte Konsistenz des Teiges beim Backen verantwortlich. Bei Zöliakie liegt eine Unverträglichkeit gegen Gluten vor, wodurch es durch den Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel zu einer Immunreaktion des Darms kommt, verbunden mit einer chronischen Entzündung und Rückbildung bestimmter Darmzellen. Die Folge der entzündlichen Veränderungen ist eine verschlechterte Aufnahme von Nährstoffen und damit einhergehende Folgeerkrankungen. Mit Gluten verunreinigter Hafer kann die Erkrankung ebenfalls auslösen.
Die globale Prävalenz der Erkrankung liegt bei 0,5-1%. In Deutschland ist das Auftreten der Erkrankung seltener, was möglicherweise mit einer höheren Stillrate und einer geringeren, frühkindlichen Glutenzufuhr zusammenhängt. Zöliakie kann sich in jedem Alter ausbilden und wird inzwischen zu gleichen Teilen bei Erwachsenen und Kindern diagnostiziert. Patient:innen haben ein erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung.

Symptome von Zöliakie
Zöliakie kann mit Symptomen auftreten, kann aber auch ganz symptomfrei verlaufen. Das häufigste Symptom von Zöliakie ist Diarrhö und tritt bei Kindern und Jugendlichen etwas häufiger auf als bei Erwachsen. Beschwerden, wie Bauchschmerzen und ein ausladender Unterbauch sind ebenso typische Symptome einer Zöliakie. Eine Anämie, Blutarmut, tritt bei bis zu 51% der Erwachsenen auf, Kinder und Jugendliche sind seltener davon betroffen. Bei einer Anämie mangelt es den Betroffenen an Erythrozyten, den roten Blutkörperchen, wodurch der Sauerstofftransport im Körper eingeschränkt wird. Ebenso gehen mit der Erkrankung Gedeih- und Wachstumsstörungen beziehungsweise Gewichtsverlust bei Erwachsenen einher. Weitere Beschwerden, die aus der Malabsorption von Nährstoffen resultieren, sind unter anderem Osteoporose, Haarausfall und Depressionen.


Wie wird Zöliakie diagnostiziert?
Die Diagnose von Zöliakie erfolgt aufgrund unspezifischer Symptome über eine Differenzialdiagnostik. Das ist besonders bei Säuglingen und Kleinkindern wichtig, da bei dieser Gruppe auch seltene Durchfallerkrankungen, wie eine Laktoseintoleranz oder Fruktose-Malabsorption in Frage kommen. Weiterhin müssen infektiöse und chronisch entzündliche Erkrankungen, wie beispielsweise Morbus Crohn ausgeschlossen werden, ebenso wie das Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelallergien. Wichtig für die Diagnose ist eine Ernährungsanamnese, bei der zum Beispiel in Form eines Ernährungstagesbuches über einige Tage hinweg das Essverhalten dokumentiert wird. In dieser Zeit sollte besonders auf das körperliche Befinden geachtet werden. Ergänzt wird die Ernährungsanamnese mit der Dokumentation der Veränderung des Körpergewichtes, klinischen Untersuchungen und gegebenenfalls bildgebender Verfahren und Endoskopie.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Zöliakie?
Die Therapie bei Zöliakie ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Diät. Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Kamut, Emmer, Einkorn und Grünkern sowie daraus hergestellte Lebensmittel, wie beispielsweise Nudeln und Backwaren, müssen von dem Speiseplan gestrichen werden. Bei gesicherter Diagnose sollte die Glutenzufuhr pro Tag unter 10mg liegen. Zur Veranschaulichung: Unsere durchschnittliche Ernährung umfasst ca. 13g Gluten pro Tag. Eine Scheibe Brot enthält bereits 2,5g Gluten. Spuren von Gluten stecken in mehr Lebensmitteln, als wir es zunächst erwarten würden. Einige Süßigkeiten, wie Kekse oder Schokoriegel, aber auch viele hochverarbeitete Fertiggerichte, wie zum Beispiel Lasagne enthalten ebenfalls Gluten und müssen von Betroffenen gemieden werden. Gleiches gilt für Fleischerzeugnisse und Wurstwaren, die durch ihre Würze nicht immer glutenfrei sind sowie Fischerzeugnisse, deren Panaden glutenhaltig sind. Die Liste ist noch viel länger. Dies soll verdeutlichen, wie komplex das Thema Ernährung bei Zöliakie ist. Es ist eine schwere Bürde für die meisten Patient:innen, die auch Einfluss auf das Sozialleben der Menschen nimmt.

Welche glutenfreien Lebensmittel gibt es?
Trotz der starken Verbreitung von Gluten in unseren Speisen, gibt es auch von Natur aus glutenfreie Lebensmittel. Dazu zählen beispielsweise Reis, Kartoffeln, Hirse, Mais und die Pseudogetreide Amaranth, Buchweizen und Quinoa. Ebenfalls glutenfrei sind Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch sowie Nüsse und Hülsenfrüchte. Wer sich fleischlos ernährt, kann außerdem auf Soja zurückgreifen. Seit einiger Zeit steigt das Angebot glutenfreier Alternativen für glutenhaltige Lebensmittel in unseren Supermärkten. So können beispielsweise Nudeln auf Basis von Mais oder Brötchen mit Maisstärke und Reismehl erworben werden. Glutenfreie Lebensmittel haben häufig eine eigene Abteilung im Supermarkt. Ein Produkt darf als glutenfrei deklariert werden, wenn es auf ein Kilogramm Erzeugnis, nicht mehr als 20mg Gluten enthält. Europaweit einheitlich gekennzeichnet wird dies mit der durchgestrichenen Ähre. Während das Angebot in den Lebensmittelgeschäften steigt, ist in deutschen Restaurants noch Potential nach oben. Selten werden Gerichte angeboten, die explizit glutenfrei sind. Zöliakie bedeutet für Betroffene eine große Einschränkung im Bereich der Ernährung. Beinahe jedes verarbeitete Produkt im Supermarkt enthält Gluten. Wer sich mit dem Thema Zöliakie und Glutenunverträglichkeit auseinandersetzt, kann dennoch schmackhafte Gerichte zubereiten! Hier findest du eine Sammlung glutenfreier Rezepte!

Beachte: Es kursieren immer wieder neue Abnehmtrends im Internet. Eine glutenfreie Ernährung hat für Menschen ohne eine Glutenunverträglichkeit keine positiven gesundheitlichen Vorteile und wird nicht empfohlen!
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Kennst du Betroffene von Zöliakie? #dasistdrin
Du bekommst Besuch und musst glutenfrei backen? Eine Übersicht über glutenfreie Mehltypen findest du hier!