Was verstehen wir unter Adipositas?
Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die eine Vermehrung des Körperfettes, über das Normalmaß hinaus, beschreibt. Dabei werden verschiedene Schweregrade der Adipositas unterschieden. Zur Klassifikation wird der Körpermasseindex, kurz: BMI, herangezogen. Während ein BMI zwischen 18,5kg/m² und 24,9kg/m² Normalgewicht charakterisiert, wird bei einem BMI von 30kg/m² bis 34,9kg/m² von Adipositas Grad I, bei 35kg/m² bis 39,5kg/m² von Adipositas Grad II und bei größer 40kg/m² von Adipositas Grad III gesprochen. Von Adipositas sind sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen. Bei den Erwachsenen liegt die Prävalenz in Deutschland bei ¼, sprich jede vierte Person in Deutschland ist adipös!

Welches gesundheitliche Risiko besteht bei Adipositas?
Das gesundheitliche Risiko bestimmt sich zum einen über den Grad der Adipositas und zum anderen über das Fettverteilungsmuster. Es wird dabei je nach Fettverteilung von viszeraler und abdominaler Adipositas gesprochen. Bei der abdominalen Adipositas lagert sich das Fett eher an der Hüfte und den Beinen ab und ist weniger schädlich. Es wird auch als Birnenform bezeichnet. Viszerales Fett lagert sich um die inneren Organe herum ab und ist dementsprechend im Bauchraum lokalisiert. Bei dieser Form der Fettverteilung, die auch als Apfelform bezeichnet wird, ist das metabolische und kardiovaskuläre Risiko höher, das heißt, das Risiko zur Entwicklung von Folgeerkrankungen steigt. Welche Art von Fettverteilungsmuster vorliegt, wird mit dem Taillenumfang beurteilt.
Die große Problematik der Erkrankung liegt dabei, dass sie lange Zeit ohne starke gesundheitliche Symptome und Beschwerden auftritt. Wenn Personen keine Schmerzen haben, sind sie weniger dazu bereit, eine Änderung des Lebensstils vorzunehmen. Adipositas geht jedoch mit einer Vielzahl von Folgeerkrankungen einher. Dazu zählen beispielsweise Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, eine Fettleber und Diabetes Mellitus Typ 2. Durch Fettablagerungen in der Leber, kann es zur nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH), Leberentzündungen und -vernarbungen kommen und schließlich zu einer Leberzirrhose. Weitere Beschwerden, die auftreten können, sind Sodbrennen und Gelenkschmerzen. Mit weiterem Voranschreiten der Adipositas kann es zu Fettablagerungen in den Blutgefäßen kommen. Durch die Verengung der Gefäße steigt das Risiko für Arteriosklerose, was zuletzt die Entwicklung eines Herzinfarkts und Schlaganfalls begünstigt.
Alltagsschwierigkeiten und psychische Belastung bei Adipositas
Von Adipositas betroffene Personen leiden unter physischen, wie auch psychischen Beschwerden. Einfache Alltagssituationen können aufgrund von Mobilitätsproblemen schnell zu einer großen Bürde werden. So kann Treppen steigen, Gehen oder das Ein- und Aussteigen aus einem Auto als starke Anstrengung empfunden werden. Leichte Arbeit ist mit Kurzatmigkeit und verstärktem Schwitzen verbunden. Auch Restaurantbesuche können für Betroffene problematisch werden, zum Beispiel durch zu enge Stühle oder schmale Gänge. Zudem empfinden es adipöse Personen oft unangenehm, in der Öffentlichkeit zu essen. Ebenso kann es zu Einschränkungen bei der Gesundheitsversorgung kommen. Patient:innen berichten, dass sie bei Arztbesuchen nicht ernst genommen werden und Beschwerden in erster Linie auf das Körpergewicht reduziert werden.
Neben den zahlreichen physischen Problemen, leiden adipöse Personen auch unter psychischer Belastung. Soziale und emotionale Belastungen aufgrund von Stigmatisierung und Vorurteilen sind keine Seltenheit. Die Konfrontation kann zu sozialer Isolation, geringem Selbstwertgefühl und Depressionen führen. Weiterhin kann die Erkrankung Einfluss auf die berufliche Entwicklung nehmen. Adipositas kann sich auf die berufliche Leistungsfähigkeit auswirken, sei es durch Einschränkungen bei der Ausführung bestimmter Aufgaben, durch Diskriminierung am Arbeitsplatz oder durch psychische Belastungen, die sich auf die Arbeitsleistung auswirken können. Auch bei der Jobsuche kann die Chancengleichheit aufgrund von Vorurteilen eingeschränkt sein.


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für die Erkrankung Adipositas?
Je nach Schweregrad und Ursachen für die Erkrankung, kann die Therapie bei Adipositas individuell angepasst werden. Eine gängige Therapiemaßnahme ist die Ernährungstherapie. Ziel dabei ist eine langfristige Ernährungsumstellung und die Änderung von Ernährungsgewohnheiten hin zu einer ausgewogenen und kalorienreduzierten Ernährung. Die Zusammenarbeit mit Ernährungsberater:innen kann dabei sehr hilfreich sein. Hand in Hand geht dabei die langsame und stetige Erhöhung der körperlichen Aktivität. Zum einen kann dabei die Alltagsbewegung erhöht werden, beispielsweise durch kleine Spaziergänge, zum anderen kann eine Kombination aus aeroben Übungen, wie Schwimmen oder Radfahren und Krafttraining dabei helfen, Fett zu verbrennen und Muskeln aufzubauen. Bewegung und eine proteinreiche Ernährung sind wichtig, um bei einer hohen Gewichtsreduktion möglichst viel Muskelmasse zu erhalten.
Weiterhin kann eine Verhaltenstherapie dabei helfen, die zugrunde liegenden Gewohnheiten und Verhaltensweisen aufzulösen, die zur Adipositas beitragen. Verhaltenstherapie kann zum Beispiel dabei ansetzen, Essgewohnheiten zu verändern, emotionales Essverhalten zu behandeln und gesunde Bewältigungsstrategien für Stress zu erlernen. In einigen Fällen können Medikamente zur Gewichtsabnahme verschrieben werden, um die Ernährungs- und Verhaltenstherapie zu unterstützen. Diese Medikamente wirken auf verschiedene Weise, zum Beispiel indem sie den Appetit verringern und so zu einer geringeren Nahrungszufuhr führen.
Bei schwerer Adipositas insbesondere, wenn andere Behandlungsoptionen nicht erfolgreich waren, kann eine bariatrische Operation in Betracht gezogen werden. Diese Operationen können das Magenvolumen reduzieren oder den Nahrungsdurchgang im Darm ändern, was zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen kann. Auch hier ist eine begleitende Ernährungstherapie mit genauen Anweisungen wichtig. Beispiele für chirurgische Eingriffe sind die Schlauchgastrektomie oder der Magenbypass.

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